Film & Diskussion: Landnutzungskonflikte in Brasilien - und was hat das mit mir zu tun?
22.Mai, 20:00. Spiegelfabrik Gars/Kamp.
Die Erlöse des diesjährigen Malandragem werden an die
Landlosenpastoral gespendet, die Landlose bei ihrem Kampf ums Land unterstützt. Konflikte ums Land gibt es in Brasilien seit Jahrhunderten und sie dauern noch immer an: waren es zuerst die europäischen Eroberer, die das Land den Indigenen entrissen haben, kämpfen heute die Nachfahren dieser indigenen Bevölkerung, aber auch arme LandarbeiterInnen um ein Stückchen Erde. Die Landverteilung ist noch immer unwahrscheinlich ungerecht: 4,8 Millionen brasilianische Familien sind landlos, während 46 % des Landes sich in den Händen der 1 % größten GroßgrundbesitzerInnen befindet, oder, mit anderen Worten, nur 4.000 GroßgrundbesitzerInnen über 85 Millionen Hektar Land verfügen.
Programm:
Der
Dokumentarfilm „Fronteira Brasil – Der Kampf ums Land in Mato Grosso" erzählt von den – zum Teil gewalttätigen – Konflikten im südlichen Amazonasgebiet zwischen KleinbäuerInnen, Indigenen und soja-anbauenden Großgrundbesitzern.
Im Anschluss
diskutieren wir mit Angela Kemper von der Dreikönigsaktion, der Menschenrechtsorganisation FIAN und der internationalen BäuerInnenbewegung Via Campesina darüber, welchen Einfluss unser Sonntagsschnitzel und die Biotreibstoffziele der EU auf diese sozialen Konflikte im südlichen Amazonas haben.
Zum Ausklang des Abends spielt die
Bossa-Nova-Combo Brasa Brasil und zu einem kleinen Buffet servieren wir Biowein.
Details
Dokumentarfilm
„Fronteira Brasil – Der Kampf ums Land in Mato Grosso"(45 Min, BR/AT)
Diskussionsrunde mit Angela Kemper (
Dreikönigsaktion), Melanie Pichler (
FIAN) und Maria Vogt (Biobäurin,
Via Campesina)
Moderation: Ruth Picker (
Globale Verantwortung)
Fronteira Brasil - Kurzbeschreibung
Sie wird auch „Soja-Highway“ genannt, die 1.770 Kilometer lange Autostraße BR 163, die quer durch das Herz des brasilianischen Amazonasgebiets – von Cuiaba im südlichen Teil des Bundesstaats Mato Grosso bis nach Santarem im nördlichen Staat Para - führt. Noch ist sie nicht durchgängig asphaltiert, zur Regenzeit schlammig und schwer passierbar. In den 1970ern hatte die damalige Militärregierung begonnen, die Straße zu bauen, doch ihr war auf halben Weg das Geld ausgegangen. Jetzt hat man sich plötzlich dazu entschossen, die BR 163 fertig zu stellen. Denn jetzt baut Brasilien großflächig – großteils genmanipulierten - Soja für den Weltmarkt an. Der Soja-Gürtel soll weiter in das brasilianische Amazonasgebiet hinein wachsen – bis in den Norden von Para. Und dazu braucht es gut ausgebaute Transportstraßen. Doch die indigene Bevölkerung und die KleinbäuerInnen im Norden sind nicht glücklich darüber, „erschlossen“ zu werden. Denn mit dem Soja kommen auch Grundstücksspekulanten und GroßgrundbesitzerInnen aus dem Süden des Landes. Und die wollen der lokalen Bevölkerung ihr Land abspenstig machen, um es industriell mit Soja zu bebauen.